Verhalten in Höhlen
von Kai Sackmann (Sacki)

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Auf meinem YouTube-Kanal finden sich nicht nur zahlreiche Videos zu Bushcraft- und Survival-Themen, sondern teilweise auch zu sehr speziellen Themen aus dem Outdoor-Bereich. Ich habe zum Beispiel auch ein Faible für Höhlen. Diese von der Natur geschaffenen, unterirdischen Hohlräume besitzen etwas Geheimnisvolles und sind noch relativ unberührt von menschlichem Einfluss. Doch sie bergen auch Gefahren. Daher sollen Interessierten hier ein paar allgemeine Hinweise gegeben werden.


ACHTUNG:
Häufig betrete und erforsche ich Höhlen in meinen Videos ganz alleine. Das kann jedoch sehr gefährlich sein und sollte nicht nachgeahmt werden. Höhlen sollten mindestens zu zweit betreten werden, um einem Partner im Notfall Hilfe leisten zu können!
Man sollte im Vorfeld genau darüber nachdenken, ob man es sich auch selber zutraut eine Höhle zu begehen. In diesem Umfeld muss man immer mit Dunkelheit, Kälte, Nässe, Dreck, Engstellen und starken körperlichen Anstrengungen rechnen. Des Weiteren bergen Höhlen etliche Gefahren: Allgemeine Verletzungsgefahren, Sturz- + Absturzgefahr, die Gefahr von Steinschlägen usw.

Ausrüstung und persönliches Können müssen immer an die entsprechende Höhlenart angepasst sein. Am wenigsten aufwendig sind einfache Horizontalhöhlen. Hier benötigt man zumeist nur eine Höhlen-Grundausstattung. Höhlen mit Kletterstellen oder Höhlen in die man sich sogar Abseilen muss, erfordern dagegen umfangreiches, hochwertiges Equipment und entsprechendes Fachwissen für diese Bereiche. Sehr speziell sind wasserführende Höhlen, da sie eine noch umfangreichere Ausrüstung erfordern und ganz besondere Gefahren bergen. In diesen Ausführungen beschränke ich mich jedoch nur auf Verhaltensregeln und Tips für einfache Horizontalhöhlen. Alles andere wäre hier zu umfangreich und sollte nicht ohne entsprechende Kenntnisse durchgeführt werden.
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Höhlen-Grundausstattung:

- Die Lufttemperatur in Höhlen ist über das gesamte Jahr meist ziemlich gleichbleibend. Die Bekleidung sollte daher an Temperaturen um die 8 Grad (meist zwischen 6 - 10 Grad) angepasst sein.

- Die Bekleidung sollte robust und wasser- / dreckabweisend sein. Höhlen sind fast immer feucht und häufig gibt es Kriechstellen, welche die Bekleidung stark beanspruchen können. Erfahrene Höhlengänger tragen einen sog. "Schlatz". Das ist ein Overall aus strapazierfähigem und wasserdichtem Material.

- Knieschoner sind sehr hilfreich, um unnötige Schmerzen beim Kriechen zu vermeiden. Handschuhe schützen die Hände (möglichst wasserdicht).

- Das Schuhwerk sollte fest und ebenfalls möglichst wasserabweisend sein. Es empfehlen sich Wanderstiefel oder auch Gummistiefel.

- In Höhlen sollte unbedingt ein Helm zum Schutz des Kopfes getragen werden. Es eigenen sich Outdoor-Helme, Bauhelme mit Kinnriemen oder Fahrradhelme, die nicht zu große Öffnungen aufweisen.

- Lampen gehören zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen Untertage. Hier sollten pro Person mindestens zwei hochwertige Lampen mitgeführt werden. Optimal wären eine Helmlampe und eine Handlampe (wasserdicht oder wasserabweisend). Dazu möglichst frische Batterien und voll aufgeladene Akkus nutzen.

- Ersatzbatterien / Ersatzakkus sollten ebenfalls mitgeführt werden. Und auch Notlampen und Notbeleuchtungsmittel bieten Sicherheit.

- Ein Erste-Hilfe Set mit Verbandsmaterial gehört ebenfalls zur Ausstattung.
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Verhaltensregeln für den Besuch von Höhlen:

- Im Vorfeld möglichst umfangreiche Informationen zu der Höhle einholen. Eventuell Höhlenpläne mitführen. Beachte: Höhlenpläne zeigen immer nur ein zweidimensionales Bild einer Höhle. Die Höhe eines Ganges oder Hohlraumes ist daher nicht zu erkennen. Auch Abstufungen sind erst vor Ort wirklich kalkulierbar!

- Jemanden über das Vorhaben der Höhlenbesichtigung informieren, den genauen Ort der Höhle nennen und eine "Deadline" festlegen. Hat man sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht zurückgemeldet, muss bekannt sein, welche Maßnahmen getroffen werden sollen. Eventuell die Telefonnummer einer ansässigen Höhlenrettung bereitlegen!

- Bitte die Winter-Schutzzeit von Höhlen beachten (Kernzeit: 1. Oktober - 31. März) und in dieser Zeit keine Höhlen betreten, da sie Winterquartiere für viele Tierarten darstellen!

- Sollte es sich um eine wasserführende Höhle handeln muss zwingend die aktuelle Wetterlage beobachtet und ein Wetterbericht eingeholt werden. Solche Höhlen dürfen nur bei stabilem, trockenem Wetter betreten werden!

- Immer langsam, vorsichtig und mit viel Bedacht bewegen. Niemals springen, auch wenn es sich nur um kleinste Höhenunterschiede handelt. Die Verletzungsgefahr muss maximal minimiert werden!

- In labyrinthischen Höhlen sollte der Rückweg an geeigneten Stellen markiert werden. Dazu bitte keine Farbmarkierungen in der Höhle anbringen. Geeignet ist z.B. der Aufbau von Steinmänchen, der Einsatz von Leuchtstäben, das Einprägen des Weges durch genaue Beobachtungen (öfters mal umsehen) und das Erstellen von Zeichnungen!

- Zum Schutz der Höhle nichts von dort mitnehmen, nichts dort zurücklassen, nichts zerstören oder töten!

- In Höhlen kein offenes Feuer benutzen (Karbidlampen, Fackeln, Kerzen…) und auch nicht rauchen. Rauch und Ruß schädigen die Höhle für lange Zeiträume!

- Immer die persönlichen Kraftreserven einschätzen. Den Weg den man gekommen ist, muss man meistens auch wieder zurück - mit allen seinen Steigungen, Kletterstellen, Hindernissen usw.

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Wer sich etwas mehr für Höhlen und deren Erforschung interessiert, sollte sich an einen der vielen Höhlen-Vereine und Speläogruppen wenden, wie es sie überall in Deutschland gibt (übers Internet suchen!). Dort findet man Gleichgesinnte und kann von erfahrenen Höhlengängern lernen. Möglicher Nachwuchs wird bei diesen Gruppierungen immer gerne aufgenommen.

Info: Zum Schutz verschiedener Höhlen, beantwortet Sacki keine Anfragen zu besonderen Höhlen oder deren Koordinaten!

Hier gehts zum Themenbereich: Giftige Gase in Höhlen, Stollen und Bunkern